BURNOUT

Burnout, die totale Erschöpfung. Was sie dagegen unternehmen können, erfahren Sie hier.

Beim Begriff Burnout, der aus unserem heutigen Sprachgebrauch nicht mehr wegzudenken ist, ist gleichzeitig vielen Menschen nicht hinreichend klar, worum genau es sich dabei handelt: Ist dies eine Krankheit oder nicht? Ist Burnout eine Modeerscheinung oder hat es ihn bereits früher gegeben? Und vor allem: Wie kann man dem Burnout durch Methoden wie Autogenes Training, Progressiver Muskelentspannung, Meditation etc. vorbeugen? Diesen und anderen Fragen möchte der folgende Artikel kurz nachgehen.

Kurze Einführung und Historie

Der Begriff des Burnouts (oder des Ausgebrannt-Seins) bezeichnet einen Zustand der absoluten Erschöpfung und Antriebslosigkeit. Die Erschöpfung ist dabei derart, dass emotional, geistig und körperlich ein Gefühl von Mattigkeit, Abgespannt-Sein und Apathie in Verbindung mit einer stark verminderten Leistungsfähigkeit vorherrschen. Selbst einfachste Tätigkeiten können als Aufgaben erscheinen, für die dem Betroffenen die Kraft fehlt.

Oftmals haben Burnout-Betroffene eine lange Leidensgeschichte durchlaufen, die bei fast allen mit großer, idealistischer Begeisterung begann (was die Erfüllung an sie gestellter Aufgaben anging) und schließlich in völliger Erschöpfung endete. Begleitende Symptome können Depressivität oder Aggressivität sein, ein Gefühl der Leere, eine Suchtgefährdung sowie psychosomatische Erkrankungen.

Dennoch ist es wichtig, festzustellen, dass das Syndrom selbst nicht als Krankheit eingestuft ist; vielmehr gilt es als Problem der Lebensbewältigung (was auch erklärt, weshalb eine Prävention so wichtig ist, worauf später noch eingegangen wird). Kurz: Durch hohen und langandauernden Stress wird eine körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung erreicht, die zu kurieren Monate dauern kann.

Historisch gesehen tauchte der Begriff „Burnout“ das erste Mal in einem im Jahre 1960 erschienenen Roman eines US-amerikanischen Autors über einen Architekten auf, welcher „ausgebrannt“ seine Arbeit aufgab und sich nach Afrika in den Dschungel zurückzog. Schon in den siebziger Jahren wurde der Begriff in den USA zunehmend vor allem im Zusammenhang mit Fällen erschöpfter Arbeitnehmer im Gesundheitswesen verwendet.

Erste wissenschaftliche Artikel wurden ebenfalls in den siebziger Jahren verfasst, in denen verschiedene Stressoren als Ursache für die Erschöpfung der vom Ausgebrannt-Sein Betroffenen ausgemacht wurden. Ursprünglich auf Pflegekräfte beschränkt, wurde das Syndrom bald auf weitere Berufe mit emotional belastenden Situationen ausgeweitet:

Bis zu den neunziger Jahren hatte man so auch Politiker, (Leistungs-)Sportler, Lehrer, Forscher oder Langzeitpflegende kranker Angehöriger als mögliche Betroffene vom Burnout ausgemacht. Interessanterweise kamen nach 2000 vor allem die im Management Arbeitenden zunehmend in den Blickwinkel der Forschung bzw. wurden als besonders vom Ausgebrannt-Sein Gefährdete definiert.

Es ist zu ergänzen, dass es immer wieder kritische Stimmen aus der Forschung und der Diagnose gab, welche im Syndrom eine Modeerscheinung sahen (ähnlich der „Hysterie“ von Frauen im späten 19. Jh.) und davor warnten, dass die Diagnose Burnout ggf. die Behandlung einer Depression erschweren könne.

So oder so hat sich der Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert und ist somit Allgemeingut geworden. Welche Abstufungen es innerhalb der Wissenschaft gibt, wollen wir im Folgenden versuchen, darzustellen.
Abstufungen eines Syndroms

Wie bereits erwähnt, gilt das Ausgebrannt-Sein an sich nicht als Erkrankung. Innerhalb der ICD-10 (d.h. der Internationalen Klassifizierung von Erkrankungen) ist es als Problem der Lebensbewältigung eingestuft und hat den Status einer Rahmen- oder Zusatzdiagnose und nicht einer Behandlungsdiagnose (wie zum Beispiel die Depression).

Die Schwierigkeiten in der Abstufung und Abgrenzung von anderen Syndromen zeigen sich zum Beispiel darin, dass das Ausgebrannt-Sein von der Neurasthenie unterschieden wird, doch gleichzeitig die letztere auf dem Ausgebrannt-Sein beruhen kann (angesichts solcher Definitions-Schwierigkeiten bin ich froh, kein Arzt zu sein).
Laut der ICD sind es drei Symptome, welche das Burnout-Syndrom kennzeichnen:

1) Emotionale Erschöpfung (welche aus einer übermäßigen Anspannung oder Anstrengung resultiert)

2) Depersonalisierung, d.h. die Betroffenen empfinden sich als distanziert von ihrer Aufgabe und von ihren Klienten. Es ist keine emotionale Bindung mehr da, vielmehr sind Zynismus und Gleichgültigkeit vorherrschend.

3) Misserfolgserleben. Die Betroffenen empfinden sich als erfolglos, was einmal aus stetig steigenden Anforderungen und zum anderen aus dem distanzierter gewordenen Verhältnis zu Arbeit und Klienten resultieren kann.

Interessanterweise hat das Burnout-Syndrom mit dem Ausgebrannt-Sein viel gemeinsam. Ob man sich also zu Tode langweilt oder arbeitet – die Folgen scheinen ähnlich unschön zu sein.

Wie bereits angedeutet wurde, ist die Unterscheidung der Symptome von anderen psychischen Erkrankungen mitunter schwierig, weshalb die Einstufung des Syndroms nur von erfahrenen Fachärzten vorgenommen werden sollte. Zudem existiert eine Fülle an Fragebögen, anhand derer eine Eingrenzung des Syndroms vorgenommen werden kann.

Beispielhaft seien das Maslach Burnout Inventory, der Copenhagen Burnout Inventory oder das Trierer Inventar zum chronischen Stress erwähnt. Vom deutsch-amerikanischen Psychologen Herbert Freudenberger, welcher 1974 den ersten wissenschaftlichen Bericht über das Syndrom verfasst hatte, wurde eine Einteilung von zwölf sich überlappenden bzw. zeitlich nicht klar aufeinanderfolgenden Phasen vorgenommen:

Neben den bereits erwähnten Symptomen der ICD machte er auch den Drang, es sich selbst und anderen zeigen zu wollen, ein übergroßes Leistungsstreben, das Nicht-Beachten eigener Warnsignale (körperlich wie geistig), das Leugnen von Problemen und andere Hinweise als Gründe für das Ausgebrannt-Sein aus. An dieser Stelle scheint es angebracht zu sein, einen Blick auf die eigentlichen Ursachen des Syndroms zu werfen:

Zu den Ursachen

Ein heutzutage sehr bekanntes Modell zur Erhebung der Ursachen des Syndroms ist das Konzept vom Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Ressourcen, wozu auch ein eigens dafür geschaffener „Fragebogen zur Erfassung beruflicher Gratifikationskrisen“ gehört. Sein Schöpfer Siegrist machte eine von den Betroffenen als so empfundene Disbalance zwischen Anstrengungen und Belohnungen aus (Effort-Reward-Imbalance-Model).

Dabei wurden von ihm auf der einen Seite Anforderungen/Anstrengungen wie Zeitdruck, Anspruch (eigener wie fremder), Verantwortung, Störungen bei der Arbeit etc. definiert. Dem standen aus der Sicht der Betroffenen nicht entsprechende Belohnungen gegenüber, d.h. die Betroffenen beklagten einen Mangel an Respekt, fehlende Unterstützung, eine unfaire Behandlung etc.

Nach diesem in der Praxis erprobten Modell ist ein deutliches (bzw. so empfundenes) Ungleichgewicht zwischen den Anstrengungen und Belohnungen ein sicheres Zeichen für ein vorliegendes Burnout-Syndrom. Als weitere wesentliche Ursache wurde in diesem Zusammenhang das übergroße sich-selbst-Verpflichten (der Aufgabe gegenüber) ausgemacht.

Ein alternatives Modell, das sogenannte Anforderungs-Kontroll-Modell, fokussierte sich auf neue Zusammenhänge, so zum Beispiel die Gleichzeitigkeit von hohen Arbeitsanforderungen (Arbeitsverdichtung etc.) bei gleichzeitig fehlendem Entscheidungsspielraum. Interessanterweise stehen nach diesem Modell Industriearbeiter u. U. unter einem ungleich höheren Druck als z. B. Chirurgen: Beide Berufsgruppen „leiden“ unter großer Arbeitsverdichtung, doch hat der Chirurg anders als der Industriearbeiter einen hohen Entscheidungsspielraum in seiner Herangehensweise an die Anforderungen.

Kurz: Es ist zum einen die Belastung, welche von außen an den Menschen in Form von Verantwortung, Zeitdruck, Arbeitsverdichtung etc. herangetragen wird, zum anderen aber die persönliche Reaktion des Menschen darauf, welche zum Ausgebrannt-Sein führen. Welche Anforderungen ein Mensch selber an sich stellt, bestimmt demnach entscheidend, wie gefährdet jemand ist. Die Lösungsmöglichkeiten sind also nicht allein extern, sondern in einem hohen Maße intern.
Daher sollen im Folgenden die Präventionsmöglichkeiten gegen das Ausgebrannt-Sein im Vordergrund stehen.

Die Prävention

So wie die Ursachen für das Ausgebrannt-Sein vielfältiger Art und komplex sind (und im Grunde individuell), so sind auch die Präventionsmöglichkeiten sehr reichhaltig. Sie reichen von Autogenem Training über Progressive Muskelentspannung bis zu Methoden der Achtsamkeit oder Meditation. Auch Yoga kann man dazu zählen. Allen gemeinsam ist, dass sie den Druck aus Überlastung reduzieren helfen und das Wohlbefinden fördern. Die Vorteile dieser Methoden stellen sich dabei im Einzelnen wie folgt dar:

Progressive Muskelentspannung

Die auch Tiefenentspannung genannte und von dem US-Amerikanischen Arzt Jacobson im frühen 20. Jh. erfundene Methode ist hierzulande auch von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt. Sie basiert auf dem Grundprinzip, dass durch willentliches und bewusstes An- und Entspannen von Muskulatur ein Zustand der letztendlichen Relaxation im ganzen Körper erreicht werden soll.

Die verschiedenen Muskelgruppen des Körpers werden nacheinander an- und wieder entspannt, wobei die Konzentration auf dem Wechsel beider Empfindungen liegt. Auf diese Weise soll langfristig eine immer tiefere und dabei immer schneller wirkende Muskelentspannung erreicht werden, die auch Schmerzen lindern kann und zudem körperlicher Unruhe und Erregung entgegen wirkt.

Oft im Rahmen einer Verhaltenstherapie eingesetzt, wird diese Methode auch bei Angstzuständen oder zur Vermeidung oder Linderung von Stress angewandt, was sie auch für die Prävention des Ausgebrannt-Seins interessant macht. Da sie sehr leicht erlern- und anwendbar ist, wird diese Methode sicher auch künftig bei der Stressvorbeugung eine Rolle spielen.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben zudem klar belegt, dass Menschen, welche die Progressive Muskelentspannung ausüben, Angst- und Spannungszustände sowie damit verknüpfte körperliche Beschwerden erfolgreich vermindern können. Wenn man bedenkt, worunter Führungskräfte oft leiden, dürfte einsichtig sein, dass an Personen, für die diese Methode angebracht ist, auch weiterhin kein Mangel herrschen wird.

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